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Farbwiedergabeindex TM-30-15

TM-30-15 - Farbwiedergabeindex mit Mängeln

Weil Licht nicht gleich Licht ist stehen Lichtplaner oft vor großen Herausforderungen wenn es darum geht, die ideale Lichtlösung zu finden. Es muss die spektrale Zusammensetzung sowie die gewünschte Lichtintensität und Farbtemperatur gewählt werden. Da Lichtempfinden subjektiv ist, bewertet jeder Mensch eine Lichtsituation anders. Ebenfalls wichtig ist die Farbwiedergabefähigkeit des Leuchtmittels, die dazu dient, dass Farben so wiedergegeben werden, wie bei natürlichem Licht.

 

Zur objektiven Bewertung bei der Farbwiedergabe wurde 1965 der RA oder CRI (Colour Rendering Index) ins Leben gerufen. Er beschreibt die Fähigkeit eines Leuchtmittels, die Farbe eines Objekts möglichst exakt zu einer Referenzlichtquelle wiederzugeben. 

 

Der Farbwiedergabeindex wird nach DIN 6169 durch 14 Testfarben (R1-R14) definiert. Beim RA Wert werden nur acht Pastellfarben (R1-R8) mit dem jeweiligen Bezugslicht verglichen. Um eine noch bessere Aussage treffen zu können, sollten jedoch alle Farben die im Farbwiedergabeindex nach DIN Norm enthalten sind, verglichen werden. Beispielsweise legt vor allem die Farbe rot (R9) schnell die Farbwiedergabeeigenschaften eines Leuchtmittels offen.

 

Bereits seit vielen Jahren ist eine Diskussion über die Unzulänglichkeiten RA Farbindexes im Gange. 2015 hat die Illuminating Engineering Society in den USA einen neuen möglichen Standard vorgestellt: den TM-30-15 Farbindex. Dieser besitzt zwei Maßzahlen: die Farbtreue Rf (colour fidelity) und den Farbumfang Rg (colour gamut). Beide Maßzahlen basieren auf dem gleich abständigen Farbraum CIECAM02-UCS Dieser Farbraum wird ebenfalls mit einer Kennzahl beschrieben. Diese kann jedoch auch über 100 liegen, wenn die Test-Lichtquelle im Durchschnitt eine höhere Sättigung aufweist als die Referenz.. In diesem Farbindexmodell werden 99 Farben anstatt 8 wie beim RA Farbindexmodell zur Messung herangezogen. Diese sind zwar auch Pastelltöne, orientieren sich jedoch an natürlich vorkommenden Farben. Die Referenzlichtquellen dieses neuen Farbindexes sind identisch mit denen der RA Klassifizierung. Jedoch kann die Farbverschiebung vektorisiert dargestellt werden, wodurch der Einfluss eines Leuchtmittels auf ein farbiges Objekt sehr schnell deutlich wird. 

 

Der Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikdustrie e.V. veröffentlichte Anfang 2017 eine Stellungnahme zum neuen potenziellen Standard. Dieser Stellungnahme liegen umfassende Untersuchungen der TU Darmstadt zugrunde, die den TM-30-15 als ungeeignet klassifizieren. Kritikpunkte hierzu waren:

  • Fehlende Berücksichtigung des Farbunterschieds im Farbraum
  • Fehlende farbgruppenspezifische Gamut-Definition
  • Die Gamut-Definition Rg entspricht nicht der Vorstellung über die Sättigungseigenschaften der Lichtquellen
  • Nur die Größe (Gamut) wird angegeben, wichtig wäre jedoch die Form des Farbvolums
  • Untersuchungen zeigen teilweise eine negative Korrelation zwischen Gamut und Nutzerpräferenz
  • Die 99 Testfarben sind äußerst ungleichmäßig über den Farbraum verteilt

Aufgrund dieser Defizite beschloss das internationale Expertengremium der CIE, dass der Fidelity Index Rf nach IES TM-30-15 ausschließlich für wissenschaftliche Zwecke angewandt werden soll und nicht dazu geeignet ist, den RA Farbindex zu ersetzen. Die CIE hat jedoch zwischenzeitlich ein Expertengremium gegründet, das daran arbeitet, den Fidelity-Index zu einer ausgereiften Farbmetrik zu entwickeln.


Farbwiedergabe von Leuchtmitteln

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